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Besoldungsdienstalter - Vorrückungsstichtag - EuGH-Entscheidung 2019

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte in der Vergangenheit die Nicht-Anrechnung von Vordienstzeiten vor dem 18. Geburtstag als altersdiskriminierend verurteilt. 

In Folge entschied der EuGH, dass auch der erfolgte Reparaturversuch die Altersdiskriminierung nicht beseitigt hat. Es wurden zwar Vordienstzeiten vor Vollendung des 18. Lebensjahres berücksichtigt, die Auswirkung jedoch durch die Verlängerung des ersten Vorrückungszeitraums von zwei auf fünf Jahre weitestgehend neutralisiert. 

Durch die mit 12. Februar 2015 in Kraft getretene „Bundesbesoldungsreform 2015“ (siehe unten) sollte die erforderlich gewordene Anpassung an das Unionsrecht bewirkt werden. Ein Kernstück dieser Reform ist die Überleitung bestehender Dienstverhältnisse auf Basis einer pauschalen Festsetzung des Besoldungsdienstalters. Für diese pauschale Festsetzung war das volle Gehalt maßgebend, das im Februar 2015 bezogen wurde („Überleitungsbetrag“). 

Die Entscheidungen des EuGH vom 8. Mai 2019 in diesem Zusammenhang enthalten
folgende zentrale Punkte:

  1. Eine nationale Regelung, mit welcher ein altersdiskriminierendes Besoldungssystem durch ein neues Besoldungssystem ersetzt wird und sich die Einstufung der Übergeleiteten im neuen System nach dem im alten (altersdiskriminierenden) System berechneten Gehalt richtet, setzt die Diskriminierung fort und ist daher europarechtswidrig.
  2. Solange es kein europarechtskonformes System gibt, sind den DienstnehmerInnen, die vom früheren System diskriminiert wurden, hinsichtlich der vor dem 18. Lebensjahr zurückgelegten Vordienstzeiten sowie hinsichtlich der Vorrückung dieselben Vorteile zu gewähren wie den durch das alte System begünstigen Personen.
  3. Es ist europarechtlich nicht zulässig, die Anrechnung von berufseinschlägigen Zeiten als Vordienstzeiten mit zehn Jahren zu beschränken, wenn Zeiten eines Dienstverhältnisses zu einer Gebietskörperschaft unbegrenzt als Vordienstzeiten berücksichtigt werden.

Die GÖD forderte daher:
➢ Umgehende Aufnahme sozialpartnerschaftlicher Verhandlungen
➢ Durch das alte System diskriminierte KollegInnen müssen entschädigt werden.
➢ Eine Neuregelung darf für niemanden zu Verlusten in der Lebensverdienstsumme führen.

Die dreijährige Verjährungsfrist ist zu beachten - besonders bei Kollegen die bereits seit längerem in der höchsten Gehaltsstufe sind, 

Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang aber die von der GÖD erreichte Feststellung in der Dienstrechtsnovelle, dass es bei niemandem zu einer Verschlechterung kommen darf. Insofern birgt das Stellen eines Antrages kein Risiko für den Antragsteller in sich, so wie es bei früheren Verfahren oft im Raum stand.

Wer musste einen Antrag auf Neuberechnung stellen, wer brauchte keinen Antrag zu stellen, weil die Neuberechnung amtswegig durchgeführt wird? Siehe dazu: https://www.goed.at/aktuelles/news/vordienstzeiten2019/

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Hier zu Besoldungsdienstalter und Vorbildungsausgleich